Mal wieder ein größeres Update zur Fehlersuche – inzwischen gibt es ein paar neue Erkenntnisse, die das Ganze zumindest etwas eingrenzen.
Das eigentliche Problem besteht weiterhin:
- Kalt ist das Verhalten deutlich besser bzw. teilweise unauffällig.
- Warm fällt die Drehzahl nach einem Gasstoß auf ca. 3.000 U/min und bleibt dort hängen.
- Wenn ich die Standgasschraube weit genug herausdrehe, sodass die Drosselklappen weiter schließen, tourt der Motor nach Gasstößen sauber ab – dann ist der eigentliche Leerlauf aber so niedrig, dass der Motor abstirbt.
- Drehe ich die Standgasschraube wieder so weit hinein, dass ein vernünftiger Leerlauf um ca. 1.000 U/min möglich ist, kommt das Hanging bei ca. 3.000 U/min wieder.
- Wenn die Drehzahl bei 3.000 hängt, kann ich sie über Kupplung/Bremse bzw. Last mechanisch herunterziehen. Ist die Drehzahl einmal unten, bleibt sie anschließend auch unten und steigt nicht wieder selbstständig auf 3.000.
Ich bin bei der Suche auf einen ziemlich interessanten Beitrag im KZRider-Forum gestoßen. Dort wird bei einem sehr ähnlichen Fehlerbild ein sogenannter „meta-stable condition“-Zustand beschrieben:
Wenn ein oder mehrere Leerlauf-/Pilotkreise nicht ausreichend arbeiten, wird häufig die zentrale Standgasschraube immer weiter hineingedreht, damit der Motor überhaupt im Leerlauf bleibt. Dadurch stehen die Drosselklappen aber bereits weiter offen, als sie im eigentlichen Leerlauf sollten, und der Motor beginnt über Progressions-/andere Vergaserbereiche mitzulaufen.
Dadurch kann es zwei Betriebszustände geben: einen niedrigen, gerade noch stabilen Leerlauf und einen zweiten stabilen Zustand bei deutlich höherer Drehzahl. Nach einem Gasstoß landet der Motor dann bei z. B. 2.000–3.000 U/min und bleibt dort. Durch Belastung des Motors mit der Kupplung kann man ihn wieder unter diesen Bereich ziehen und er bleibt anschließend wieder unten.
Das würde erstaunlich genau zu meinem Verhalten passen.
Deshalb habe ich nochmal versucht herauszufinden, ob eventuell einer der vier Zylinder im eigentlichen Leerlauf nicht richtig mitarbeitet. Dabei kristallisiert sich Zylinder 4 inzwischen ziemlich deutlich heraus.
Aktuelle Erkenntnisse zu Zylinder 4:
- Zylinder 4 bleibt im Leerlauf weiterhin deutlich kälter als die anderen. Aktuell nach kurzem Lauf z. B. V4 ca. 50 °C, die anderen bereits 80 °C+.
- Das Kerzenbild von V4 ist reproduzierbar dunkler als beispielsweise das von V1. Die Kerze ist nicht komplett schwarz oder eindeutig benzinfeucht, aber deutlich dunkler.
- Zündkerzen V1 ↔ V4 wurden bereits quergetauscht → Fehler bleibt auf V4.
- Zündkabel/Kerzenstecker V1 ↔ V4 wurden komplett quergetauscht → Fehler bleibt ebenfalls auf V4.
- Ziehe ich bei laufendem Motor den Kerzenstecker von V4 ab, verschlechtert sich der Motorlauf massiv bzw. der Motor stirbt ab. V4 arbeitet also definitiv mit.
- Kompression habe ich inzwischen ebenfalls V1 gegen V4 gemessen: beide ziemlich genau bei ca. 135 psi. Ein grobes mechanisches Problem speziell an Zylinder 4 halte ich damit inzwischen für eher unwahrscheinlich.
Heute kam noch ein interessanter Befund dazu:
Beim Synchronisieren habe ich festgestellt, dass das Öffnen der Synchronisations-/Unterdruckanschlüsse sehr unterschiedlich wirkt.
Bei V1 bzw. V3:
Vakuumkappe ab → Motorlauf bricht massiv ein bzw. Motor ist fast am Absterben.
Bei V4:
Vakuumkappe ab → praktisch keine Veränderung.
Der Anschluss von V4 ist dabei definitiv frei und zieht ordentlich Unterdruck. Am Synchronisationsgerät liegen V3 und V4 auch relativ nah beieinander und wurden anschließend noch weiter synchronisiert. Es ist also nicht so, dass V4 überhaupt keinen Ansaugunterdruck erzeugt.
Trotzdem interessiert es V4 im Gegensatz zu V1/V3 fast überhaupt nicht, wenn ich seinen Sync-Port öffne und damit ordentlich zusätzliche Luft hinter der Drosselklappe zuführe.
Das lässt mich aktuell vermuten, dass V4 im Leerlauf möglicherweise deutlich zu fett läuft. Dazu würde zumindest auch die dunklere Kerze und die niedrigere Krümmertemperatur passen. Zusätzliche Luft über den offenen Sync-Port würde einen bereits sehr fetten Zylinder zunächst nur abmagern, während sie einen normal laufenden Zylinder sofort viel zu mager machen kann.
Beweisen kann ich „zu fett“ damit natürlich noch nicht.
Auch die Leerlaufgemischschraube V4 ist auffällig: Von komplett hineingedreht bis weit herausgedreht ist subjektiv praktisch keine eindeutige Änderung festzustellen. Der Test ist allerdings schwierig zu beurteilen, weil der Motor mit weit herausgedrehter zentraler Standgasschraube nur noch bei ca. 600 U/min herumstolpert und kurz vorm Ausgehen ist.
Noch ein wichtiger Punkt:
Den kompletten Vergaserbody von V4 habe ich inzwischen gegen einen Body aus meiner Spenderbank getauscht. Dabei habe ich die bisherigen Innereien von V4 in den Spenderbody übernommen.
Das Verhalten von V4 blieb trotzdem bestehen.
Damit halte ich den eigentlichen Body – also interne Bohrungen des alten Bodys, Drosselklappenwelle etc. – inzwischen für eher unwahrscheinlich.
Beim Bodywechsel wurden u. a. übernommen:
- Schwimmer
- Schwimmernadel/Nadelventil
- Düsen
- Schieber/Membran
- Düsennadel
- LLGS bzw. deren Innereien
Der Starter-/Chokeplunger dagegen gehört zum Spenderbody und wurde nicht vom alten V4 übernommen.
Mein nächster A/B-Test wird deshalb relativ radikal:
Ich tausche sämtliche übernommenen Innereien von Vergaser 3 und 4 komplett gegeneinander, ohne sonst etwas zu verändern.
Wenn anschließend V3 kalt/dunkel/auffällig wird und V4 plötzlich normal läuft, sitzt der Fehler ziemlich sicher in einem der übernommenen V4-Bauteile. Dann kann ich anschließend Stück für Stück zurücktauschen, bis der Fehler wieder zurück auf V4 wandert.
Wenn dagegen trotz komplett getauschter Innereien weiterhin V4 auffällig bleibt und V3 normal läuft, würde ich die Innereien ebenfalls weitgehend ausschließen und müsste wieder außerhalb des eigentlichen Vergasers suchen – Ansaugstutzen/Falschluft zwischen Vergaser und Kopf etc.
Aktueller Verdacht bzw. mögliche Gesamterklärung wäre daher:
Ein Problem speziell am Leerlauf/Gemisch von V4 sorgt dafür, dass dieser Zylinder bei wirklich weit geschlossenen Drosselklappen nicht sauber genug mitarbeitet. Um trotzdem einen brauchbaren Leerlauf zu bekommen, muss die zentrale Standgasschraube relativ weit hinein. Dadurch stehen die Drosselklappen möglicherweise bereits im Progressionsbereich. Nach einem Gasstoß landet der Motor dann in diesem beschriebenen „metastabilen“ Zustand bei ca. 3.000 U/min.
Das würde zumindest erklären, warum:
- sie mit weit herausgedrehter Standgasschraube sauber abtourt, aber nicht vernünftig im Leerlauf bleibt,
- sie mit ausreichend weit hineingedrehter Standgasschraube im Leerlauf bleibt, anschließend aber bei 3.000 hängt,
- man die 3.000 U/min über Last/Kupplung herunterziehen kann und sie danach unten bleibt,
- und V4 im eigentlichen Leerlauf offensichtlich anders arbeitet als die übrigen drei Zylinder.
Falls jemand zu der Kombination aus
kaltem/dunkler laufendem V4 + praktisch keiner Reaktion auf geöffneten Sync-Port + vergleichbarem Unterdruck + gleicher Kompression + quergetauschter Zündung + wirkungslos erscheinender LLGS
noch eine Idee hat, immer her damit.
Langsam wird aus der Fehlersuche eine wissenschaftliche Arbeit. 😅