GPZ 900R – Leerlauf bleibt bei ca. 3.000 U/min hängen / verschwindet bei geschlossener Benzinzufuhr

JilleStyle

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Hallo zusammen,


ich kämpfe bei meiner GPZ 900R mittlerweile schon länger mit einem hartnäckigen Vergaser-/Leerlaufproblem und komme langsam an den Punkt, an dem mir die Ideen ausgehen.


Die GPZ läuft grundsätzlich mittlerweile sehr gut, springt an, nimmt Gas an und fährt auch vernünftig. Ein Problem bleibt aber bestehen:


Nach einem Gasstoß fällt die Drehzahl teilweise nicht mehr auf den normalen Leerlauf zurück, sondern bleibt bei ca. 3.000 U/min hängen.
Der eigentliche Leerlauf liegt ansonsten stabil bei etwa 1.100–1.200 U/min.


Sie dreht dabei inzwischen nicht einfach von selbst aus dem Leerlauf hoch. Das Problem tritt hauptsächlich auf, nachdem man Gas gegeben hat: Gasgriff zu, Drosselklappen gehen zurück, Drehzahl bleibt trotzdem bei ca. 3.000 U/min stehen.


Folgendes wurde mittlerweile gemacht/geprüft:


  • Vergaserbank mehrfach zerlegt und gereinigt
  • Leerlaufkanäle mit Reiniger/Druckluft durchgeblasen
  • Vergaser mehrfach synchronisiert
  • originale Leerlaufgemischschrauben wieder eingebaut, aktuell ca. 2,5 Umdrehungen raus
  • Keyster #35 Leerlaufdüsen verbaut; originale Düsen sind ebenfalls #35
  • Schwimmerstände mehrfach nass mit Klarsichtschlauch eingestellt
  • aktuell liegen alle vier ziemlich genau auf Höhe der Schwimmerkammer-/Vergasergehäusekante; einer eventuell ca. 1 mm niedriger
  • sowohl originale als auch Nachbau-Schwimmer ausprobiert
  • sowohl originale als auch Keyster-Schwimmernadeln ausprobiert
  • Schwimmernadelsitze gereinigt/poliert
  • zwei Membranen hatten kleine Löcher und wurden gegen intakte Membranen aus einer Spender-Vergaserbank ersetzt
  • eine weitere Membran war einmal unter dem Deckel eingeklemmt; ebenfalls behoben
  • Drosselklappen schließen und schnappen sauber zurück
  • Gaszug als Ursache ausgeschlossen
  • Ansaugstutzen motorseitig auf Nebenluft geprüft → unauffällig
  • Choke-Plunger ausgebaut/geprüft → sehen alle einwandfrei aus und schließen mechanisch sauber
  • Zündung/Kerzen ebenfalls überprüft; eine zuvor lose Zündkerze wurde behoben, wodurch der normale Leerlauf deutlich besser geworden ist

Der interessanteste Befund ist die Benzinzufuhr:


Wenn das Motorrad bei ca. 3.000 U/min hängen bleibt und ich die Benzinzufuhr schließe, läuft der Motor zunächst weiter. Sobald der Kraftstoffstand in den Schwimmerkammern etwas abgesunken ist, verschwindet das Problem plötzlich:


Gasstoß → Drehzahl fällt wieder sauber auf ca. 1.200 U/min zurück.


Öffne ich die Benzinzufuhr anschließend wieder, ist das Hanging Idle wieder da.


Das Ganze ließ sich reproduzieren.


Deshalb hatte ich zunächst die Schwimmerstände bzw. undichte Nadelventile im Verdacht. Das Merkwürdige ist aber: Ich habe die Vergaserbank anschließend wieder ausgebaut, Benzin angeschlossen und alle vier Kraftstoffstände nass kontrolliert – sie stimmen. Kein Vergaser steht deutlich zu hoch oder läuft über.


Auch verschiedene Kombinationen aus originalen/Nachbau-Schwimmern und originalen/Keyster-Nadeln haben grundsätzlich dasselbe Verhalten gezeigt.


Ein weiterer Test war der Choke: Wenn sie bei ca. 3.000 U/min hängt und ich langsam Choke gebe, passiert zunächst relativ wenig. Bei mehr Choke verschluckt/holpert sie kurz und dreht anschließend teilweise sogar noch höher. Mein Eindruck ist daher, dass sie bei normalem Kraftstoffstand eventuell ohnehin schon relativ fett läuft.


Eine Sache möchte ich als Nächstes noch testen:
Beim Einstellen der Schwimmerstände auf der Werkbank hing mein Benzinbehälter relativ niedrig. Beim Test am Motorrad befand sich der Tank/Kraftstoffspiegel schätzungsweise 40 cm höher. Ich möchte deshalb die Nassstände nochmal mit entsprechend höher gehängtem Benzinbehälter kontrollieren und schauen, ob die Nadelventile bei etwas höherem statischem Druck eventuell doch langsam durchlassen bzw. der Pegel ansteigt.


Was mich aktuell irritiert:


Warum läuft der Motor mit absinkendem Schwimmerkammerpegel plötzlich perfekt und tourt sauber ab, obwohl die Kraftstoffstände bei normaler Benzinzufuhr laut Nassmessung korrekt sind?


Hat jemand bei den CVK34 der GPZ 900R schon einmal ein ähnliches Verhalten gehabt?


Insbesondere würden mich Erfahrungen interessieren mit:


  • Nadelventilen/Sitzen, die erst bei etwas höherem Zulaufdruck Probleme machen
  • Keyster #35 Leerlaufdüsen trotz nominell gleicher Größe wie OEM
  • Startanreicherung/Choke, obwohl die Plunger optisch und mechanisch in Ordnung sind
  • anderen Ursachen, warum ein CVK bei korrektem Nassstand zu fett bzw. mit Hanging Idle läuft

Ich möchte ungern einfach den Schwimmerstand absichtlich zu niedrig einstellen, nur weil sie dann besser läuft. Eigentlich sollte sie ja mit dem vorgesehenen Kraftstoffniveau korrekt funktionieren.


Vielleicht hat jemand noch eine Idee, welcher gemeinsame Faktor alle vier Vergaser bei normalem Kraftstoffstand zu stark anfetten könnte bzw. warum das Absenken des Pegels das Problem vollständig beseitigt.
 
Die Länge der Gaszüge und damit verbunden die Einstellung der Standgasschraube haben sehr viel Einfluss auf das Verhalten beim Abtouren.
Sind die Gaszüge zu stramm eingestellt oder liegen nicht richtig gibt's die selben Effekte die du beschreibst. Das gleiche wenn die Standgasschraube zu weit eingedreht ist, also erst die Züge lösen und darauf dann das Standgas einstellen.
 
Ich würde sagen, die läuft zu mager LLEGS rausdrehen, 2,5 ist die Grundeinstellung. Das können auch 4,5 sein. Wenn alle auf 2,5 sind hast Du den Motor noch nich auf Rundlauf eingestellt.
 
Sehr sensibel auf zu hohen Kraftstoffstand ist die Luftbohrung seitlich am Schacht der Kaltstartdüse (blauer Kreis).
Die wird oft übersehen. Bei zu hohem Kraftstoffstand zieht die Sprit statt Luft. (Bild ausgeliehen).
 

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Danke schon mal für eure Tipps 🙂

Also Gaszug kann ich ausschließen - selbst mit ausgehängtem Gaszug und Gas geben direkt an der Drosselklappe mit einem Schraubendreher erzeugt genau die gleiche Problematik

Wenn ich die Gemischschraube etwas öffne wird es minimal besser

Den Punkt mit der Luftbohrung finde ich relativ spannend und werde dem mal nachgehen - da ich onehin etwas Probleme mit den Schwimmerständen hatte werde ich da mal eher ans untere Ende der Herstellerangabe gehen

Was Spannend ist: selbst wenn man höher als 3000 dreht bleibt er immer bei den 3000 hängen
Erst wenn man dann die Drosselklappe wieder von Hand zudrückt und so den Motor wieder runter bringt bleibt sie schön im Leerlauf
 
Ich hatte auch mal Keyster Leerlaufdüsen bestellt. Geordert hatte ich #38, gekommen sind laut Einstanzung auch #38. Nur beim überprüfen mit Messdorn stellte sich heraus es sind nur #36 Leerlaufdüsen.

Bisher hast du nur am Versager gefummelt.
Schonmal Kompression gemessen. In 45 Jahren habe ich schon Pferde vor der Apotheke *otzen gesehen.
 
Düsenbezeichnungen glaube ich grundsätzlich nicht. Ich messe die mit Mikrobohrern, mit Öl Linksherum.
10 von 12 stimmen........

Kompression: Ja, das sollte immer ganz am Anfang stehen, dann Ventile einstellen, Benzinzusatz in sauberen Tank,
Spritleitung ohne Knick, Kerzen haben Funken, Kerzen und Spulen mal wechseln. PickUp schadet auch nie mal zu messen.
Bei Vergaserproblemen sind es zu 90% Leerlaufdüsen/-Kanäle. Gas zu hoch: Chokekolben hängen/klemmen?
 
Also Vergaser sind mehrmals Synchronisiert
Ventilspiel hatte ich cor ein paar Wochen auch auf Verdacht geprüft und war weitestgehend i.O. (ein Ventil nachgestellt)

Jetzt habe ich heute den Vergaser komplett zerlegt, nochmal Ultraschallgereinigt und alle Düsen und Kanäle mit dem Kompressor durchgeblasen

Schwimmerstand hab ich bei zwei sehr Niedrig gelassen und 2 genau auf Maß (Nass gemessen mit Schlauchwasserwage)

Symptomatik die selbe ABER nach wie vor bleibt sie nicht mehr hängen wenn man die Benzinzufuhr abdreht und ein paar sekunden wartet
Es scheint also doch mit den Schwimmerständen zusammenzu hängen - anders kann ich mir das nicht mehr erklären
 
Mit Luftdruck prüfst du deine Kanäle. Aha. Hab hier leider nur Luft aus der Dose und mir daher fette Spritzen und paar Schläuche und Adapter besorgt. Mit dem Equipment puste ich die alle der Reihe nach so lange durch bis überall nach Augenmaß die gleiche Menge an Vergaserreiniger rausgeschoßen kommt.

Was mir auffiel als ich die Messingmuffen / Schwimmernadelsitze gezogen hab war das die zeimlich zerfranst an dem 2,4mm Löchlein waren. Die Überraschung war drunter! Rostpartikelansammlungen. Der Vergaser war x-mal in seiner Karriere sicher schon Ultraschallgereinigt. Einmal von mir. Das so nebenbei. Der Laden der diese käuflichen Schwimmernadelsitze vertreibt ist in Wien. https://www.xmas1.at/
Kann man sich aber auch selber drehen oder drehen lassen. Die Spitze der Bohrung für das Ventil habe ich mit einem 90 Grad Fasenfräser nachträglich rein gesenkt. Mit nem passenden Ankörner entschärfen. Dicht.

Viel Glück

Hab noch n Bild. Eingeklebt hab ich die nicht sondern direkt aufs Maß gedreht und abgekühlt und reingedrückt. Ausgebohrt auch nicht. Gewinde rein und mit einem Abzieher gezogen.
 

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Versuch bitte noch eines, dreh die Leerlaufschraube ziemlich weit raus so das sie eigentlich aus gehe müsste. Dann schau mal was passiert, ich hatte genau die selben Effekte und es lag daran.
 
Kleines Update – ich habe den Tipp mit der Standgasschraube ausprobiert und dabei ein interessantes Verhalten festgestellt:


Ich habe die Standgasschraube so weit herausgedreht, dass die Drosselklappen praktisch komplett geschlossen sind. Damit der Motor überhaupt noch im Leerlauf läuft, habe ich den Choke vollständig gezogen.


In dieser Konstellation fällt die Drehzahl nach einem Gasstoß plötzlich ziemlich zuverlässig und zügig wieder auf ca. 1.000 U/min zurück. Wenn ich sehr hoch drehe, bleibt die Nadel teilweise ganz kurz bei ca. 2.000 U/min hängen, aber wirklich nur einen Augenblick und fällt dann weiter ab.


Beim Hochdrehen selbst verschluckt/verschluckte sie sich im unteren Übergangsbereich etwas, was bei „Drosselklappen fast zu + Vollchoke“ vermutlich nicht sonderlich überraschend ist.


Dann habe ich bei ansonsten unveränderter Einstellung die Leerlaufgemischschrauben von 2,5 auf 3,5 Umdrehungen herausgedreht.


Ergebnis: Das Abtourverhalten wird wieder deutlich schlechter. Nach einem Gasstoß bleibt sie jetzt auch bei dieser fast geschlossenen Drosselklappenstellung bei ungefähr 2.000 U/min hängen.


Damit haben wir momentan zwei Beobachtungen, die zumindest in dieselbe Richtung zeigen:


1. Benzinhahn schließen / Kraftstoffstand sinkt → Abtouren wird irgendwann perfekt.
2. LLEGS weiter heraus (2,5 → 3,5) → Abtouren wird schlechter.


Das spricht für mich momentan eher dagegen, dass das ursprüngliche Problem ausschließlich durch ein zu mageres Leerlaufgemisch verursacht wird.


Gleichzeitig scheint aber auch die Grundöffnung der Drosselklappen eine große Rolle zu spielen: Sind sie nahezu komplett geschlossen, verschwindet das starke Hängen bei ~3.000 U/min fast vollständig.


Als Gegenprobe werde ich die LLEGS noch testweise in die andere Richtung stellen (z. B. 1,5 Umdrehungen), um zu schauen, ob sich das Verhalten entsprechend weiter verbessert.


Falls jemand aus diesen beiden Effekten – Kraftstoffniveau niedriger = besser und Drosselklappen weiter geschlossen = besser – einen konkreten Verdacht ableiten kann, gerne her damit. 🙂
 
Die LLGES irgendwie rein oder rausdrehen macht keinen Sinn, die Vergaser müssen eingestellt werden. Da kann eine Schraubd bei 1,5 und eine andere bei 2,5 oder 3 sein. Jeder Zylinder muss einzeln auf optimalen Lauf eingestellt werden, erst dann kann man eine Aussage treffen und über andere Maßnahmen nachdenken. Wahrscheinlich ist es dann aber ok.
 
Der nächste Schritt bei mir war es, die Züge auf zu viel Spiel einzustellen also sehr locker und dann mit der Leerlaufschraube das Standgas einstellen. Ab da hat sie normal abgetourt, dann noch die Züge sauber eingestellt und es war komplett in Ordnung.
Ich glaube immer noch das da der Hase im Pfeffer liegt oder die Vergaser haben ihre Verschleißgrenze erreicht, das hatte ich auch schon bei einer anderen GPz.

Versuchs einfach mal, schaden wird's wohl nicht.😉
 
Der nächste Schritt bei mir war es, die Züge auf zu viel Spiel einzustellen also sehr locker und dann mit der Leerlaufschraube das Standgas einstellen. Ab da hat sie normal abgetourt, dann noch die Züge sauber eingestellt und es war komplett in Ordnung.
Ich glaube immer noch das da der Hase im Pfeffer liegt oder die Vergaser haben ihre Verschleißgrenze erreicht, das hatte ich auch schon bei einer anderen GPz.

Versuchs einfach mal, schaden wird's wohl nicht.😉
Natürlich sollten die Gaser synchronisiert sein und das Ventilspiel sollte auch stimmen aber davon gehe ich mal aus.
 
Kleines Update – ich glaube, die Schwimmerstand-/Schwimmernadel-Thematik wird gerade doch ziemlich heiß.

Ich habe die Vergaserbank nochmal ausgebaut und die aktuell verbauten Schwimmernadeln im Ultraschallbad gereinigt. Anschließend habe ich die Kraftstoffstände mit der Schlauchmethode geprüft.

Direkt nach dem Befüllen bei ca. 67 cm Fallhöhe hatte ich folgende Werte:

V1: +1 mm
V2: +4 mm
V3: +1 mm
V4: 0 mm

Gemessen jeweils relativ zur Trennkante Vergasergehäuse/Schwimmerkammer.

Danach habe ich die Fallhöhe auf ca. 1,40 m erhöht und die Bank so für 30 Minuten stehen lassen.

Nach 15 Minuten:

V1: ca. 0 mm
V2: +7 mm
V3: +10 mm
V4: ca. 0 mm

Nach 30 Minuten:

V1: +1 mm
V2: +8 mm
V3: +10 mm
V4: 0 mm

Das finde ich insofern interessant, weil V1 und V4 unter denselben Bedingungen ihren Pegel praktisch halten, während V2 und V3 deutlich höher steigen und erst dort zu stoppen scheinen.

Das könnte auch ziemlich gut zu meinem bisherigen Fehlerbild passen:

Benzinzufuhr offen → nach Gasstoß bleibt sie bei ca. 3.000 U/min hängen.

Benzinzufuhr schließen → sobald der Kraftstoffstand in den Kammern weit genug abgesunken ist, tourt sie plötzlich absolut sauber auf ca. 1.000–1.200 U/min ab.

Auch dass das Problem nach dem Start zunächst weniger ausgeprägt ist und mit der Zeit stärker wird, könnte damit zusammenpassen.

Als nächsten Test tausche ich die Schwimmernadeln über Kreuz:

Nadel 1 ↔ 3
Nadel 4 ↔ 2

Die Schwimmereinstellung bleibt dabei unverändert. Danach wieder derselbe Test mit 1,40 m Fallhöhe.

Wenn der hohe Kraftstoffstand mit den Nadeln auf V1 und V4 wandert, wären die Nadeln ziemlich eindeutig der Übeltäter. Bleibt das Problem auf V2 und V3, müsste ich mir dort Ventilsitze bzw. Schwimmermechanik genauer anschauen.

Aktuell sind 4 relativ neue Keyster Nadeln verbaut.

Vier neue Schwimmernadeln sind unabhängig davon bereits bestellt.

Ich berichte, was beim Kreuztausch rauskommt.
 
Versuche es doch endlich mal mit einem Messschieber deine Schwimmerabstände einzustellen !!!

Eigenlich soll der Schlauch nur 30 cm sein.
 

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