Neuaufbau Motor nach Lagerschaden - und wie es weiterging...
Guden, werte GPZteros!
Ich wollte mal jedem, den's intressiert, den Ausgang dieser Geschichte hier mitteilen. Sorry, dass ich das solange vor mir hergeschoben hab', bin halt nicht so der Typ für kurz mal eben was posten, und dann dauerts auch ein bischen länger. Aber besser spät als nie. Also:
Vom Whistler hatte ich 'nen defekten Motor bekommen. Der hatte eingeschlagene Ventile und die Laufbuchsen sahen auch nicht mehr so toll aus (der Motor natürlich!). Dafür waren bei dem die Kurbelwelle und Lagerschalen noch voll in Ordnung. Mein Ehrgeiz war es nun, da ich ja schon beide Motoren komplett zerlegt vor mir liegen hatte, von jedem das beste Teil zu nehmen, um daraus wieder einen kompletten Motor zusammenzuschrauben: Die KW und Lagerschalen hatte ich mit Micrometerschraube und Plastolehre komplett vermessen - alles im grünen Bereich, Steuer- und Limakettenlängung vermessen, und die jewweils Beste dann genommen, jedes Teil gesäubert, und nach äusserem Erscheinen mich dann für eins davon entschieden, usw. Beim Zylinder hab ich allerdings Kolben und Block sozusagen als Gesamteil betrachtet, also nich Kolben von hier und Block von da...
Dann hab ich sämtliche Dichtflächen von den alten Dichtungen befreit, die Motorhälften nach WHB wieder zusammengeschraubt, KuLu, Aggregate wieder dran, Zylinder drauf, Kopf drauf - alles fein nach WHB, mit neuen Dichtungen, O-Ringen, Alu/Kupfer-Dichtscheiben usw ... muss sagen, es hat richtig Spass gemacht, so 'profi-mässig' da ran zu gehen - es war ja mein erster 'grosser' Motor.
Dann halt den Motor wieder rein (oh, Mann, was'n Act), Vergaser drauf (oooh Mann, was'n #%*#&), Wasser dran, 710 rein, und das Mopped wieder komplett zusammenge-lego-t. Finito - da stand sie - wieder komplett (bis auf Verkleidung) und wartete auf ...
Ein Druck auf den Starter - Spannung - Stille - und - Ödel-Ödel-Ödel-Ödel - Pöt-Pöt-Pöt - Vrummmm! Geil! Weihnachten, Ostern und das erste Mal* in einem Moment! Klar traute ich dem Frieden erstmal nich lange. In meinem Kopf spielten sich schon etwaige Horror-Szenarien ab: Vrummm, Vrummm, Vruuummm, Deng-Deng-Deng - Krack-Bruch - Tot. Also jeden Teil des Motors abgesucht, abgehört nach irgenwelchem Klackern, abgescannt nach 710-, Wasser-, Sprit-Ausfluss - nix. Laufen lassen - aus gemacht - kalt werden lassen - angemacht - alles gecheckt - alles OK. Im Geiste noch mal den ganzen Zusammenbau durchgegangen - nochmal alles mögliche nachgeschaut, abgehört, usw... es schien wirklich alles in Ordnung zu sein, ich konnte es kaum glauben.
Das erste 710 hab ich dann wieder raus gelassen und gefiltert, um zu sehen, ob da irgendwas mit kommt. Aber nein, keine Späne oder sonstwas drin. Also: neues 710, Verkleidung dran, Werkzeug 1rein, in der Kirche 'ne Kerze angezündet, und on the Road again.
Auf den ersten paar hundert Kilometern (nie über 6-7000 Touren) gab's noch ein kleines Problemchen. Es troppte ein bissel Wasser aus der Verbindung Pumpe-Motor - also Rotz ab - O-Ring neu (war ein wenig abgeschert worden beim Einbau) - wieder zusammen und weiter. Dann wieder 710 raus, filtern, nix drin.
Sie lief und lief. Keine komischen Geräusche, kein Klackern - ich hatte es getan - und geschafft - mein Ego war so groß wie nie zuvor. Schön über die Landstrasse, Wetter, Kurven, Beschleunigung - doch was war das? Wer sass da auf einmal unter meinem Motor, bei 120 Sachen, und kloppte mit einem Vorschlaghammer auf meinem Motor rum! Aaaaaaahrgh - NEIN!
Im Bruchteil einer Sekunde war mein Ego wieder auf Normalgrösse geschrumpft, wenn nicht noch sogar weiter. Ich stand mitten im Nirgendwo, in der Abenddämmerung rechts auf der irgendeiner Landstrasse, kein Handy dabei, und der Motor war wieder im Arsch! Hab die Mutti dann erstmal hinter 'nem Gebüsch versteck, und mich dann auf die Socken gemacht. Glaubt ihr denn, mich hätte einer beim Trampen mitgenommen, naja. Am nächsten Tag dann einen Transporter gechartert, und die Mutti wieder nach Hause gebracht. 710 raus -> Späne, Kerzen raus, auf und über OT gedreht -> 3te Kolben ging 3mm nach unten: Lager zerbröselt - here we go again.
Das Geld war verbraucht, der Enthusiasmus verbraucht, die Saison so gut wie vorbei. Also habe ich dann erstmal nix mehr gemacht. Und da meine 'Werkstatt' nur eine Garage mit einer offenen Seite ist, konnte ich auch im Herbst/Winter nix mehr machen, einfach zu kalt. Nur noch Vergaser leer machen, Tank voll, usw. - Winterschlaf.
So, vor etwa einer Woche habe ich mich dann wieder drangemacht. Also Geraffel ab, Motor raus, wanne ab, und siehe da:
Oh, Mann. Ich fasse es nicht: Der Motor ist also an meinem Putzwahn gestorben! Das im Sieb sind lauter kleine Baumwollfusseln von den Werkstatt-Lappen (alte Handtücher, etc.) die ich genommen hatte, um jedes Teil klinisch rein zu wischen, bevor's wieder in den Motor rein kommt! Aaaaargh! Dann entdeckte ich noch die Mutter von der Pleuel-Schraube, die sich verabschiedet hatte, und aus der Laufbuchse war ein Stück rausgeschlagen. Uff!
Nun, meine Vermutung der Abläufe, die zum Ableben führten: Ölmangel im Pleuelfusslager, Lager gefressen, zerbröselt, durch das Dengeln wurde dann die Mutter abgerissen, wanderte im Motor rum und schlug die Ecke aus der Laufbuchse raus. Oder etwa andersherum: Mutter nicht richtig angezogen, abgerissen, gewandert, Laufbuchse gekillt, und durch das Spiel am Pleuelfuss dann das Lager zerdengelt und dann zerbröselt. Was meint ihr?
Wie dem auch sei, nun bin ich wohl um eine Erfahrung reicher. Denn wie Rüdiger schon schrieb: Erfahrung kommt durch..... Nicht durch Lesen!
Sondern durch sowas hier! Ich hoffe aber, mit meiner Story dem einen oder anderen hier diese Erfahrung ersparen zu können. Und ich hab daraus gelernt ... ja, was denn? Vielleicht alles nomma mit Benzin, Bremsenreiniger, etc. abspülen vorm Einbau? Oder andere Lappen? Aber auf jeden Fall bei soner Aktion nach den ersten 100Km die Wanne runter und schauen!
Also: ich geb nicht auf!
Vollgas,
Martin
* das erste Mal ein richtiges Mopped fahrn natürlich!