Der Altsportler Kawasaki GPZ 900R
hat auch nach 9 Jahren Bauzeit immer noch jede Menge Feuer im Triebwerk.
Ob sich Reifen, Bremsen und Federelemente heutigen Ansprüchen anpassen
lassen, hat PS im Tune-Up ausprobiert.
Wenn sich die mehr als fünf
Zentner Stahl und Aluminium der GPZ in weniger als 8.40 Minuten um die
Nürburgring-Nordschleife bewegen lassen, dann muss schon was dran sein
an dem sportlichen Ruf des legendären Kraftpakets. Mit von der Partie
waren das ältere Modell mit 16" Vorderrad (84-89) und die Version
mit dem 17" Vorderrad (90-).
Reifen für die alte Kawasaki
(-1989) vorne 16"/hinten 18"
Die Reifenfreigaben der 900R sind
zahlreich. Dazu aber eine Vorbemerkung: Das Fahrwerk der GPZ 900R galt
zwar 1984 als vorbildlich, ist aber mittlerweile in Ehren ergraut und
bis auf Kleinigkeiten kaum modifiziert worden. Wir haben also bei den
Reifentests besonderen Wert auf die Disziplinen sicherer Geradeauslauf,
gute Eigendämpfung im Hochgeschwindigkeitsbereich und gutmütiger
Übergang zwischen Rollen und Rutschen im Grenzbereich gelegt. Im
Übrigen reagierte die GPZ 900R auf verschiedene Reifenkombinationen
höchst unterschiedlich wie bei keinem Tune-Up der letzten Jahre. Die
beste Einstellung des hinteren Federbeins für die Reifentests bei
beiden Modellen war eine mit 1,5 bar Druckluft angehobene
Federvorspannung und Zugstufendämpfung 4.
Avon Super Venom AM16/17
AM18:
Das Handling der GPZ ist mit dem Avon zwar ziemlich behäbig, was
eindeutig mit der Kontur des Vorderreifens zusammenhängt; auch ein
spürbares Aufstellmoment beim Bremsen geht auf das Konto des
Vorderreifens. Dafür verhält sich die Hinterhand auf Bodenwellen
neutral. Der Geradeauslauf ist mit dem Avon gut. Dasselbe gilt für das
Verhalten in welligen Kurven. Der Grip ist bei Trockenheit und Nässe
durchaus respektabel. Der Reifen kündigt seine Haftungsgrenze weich und
kontrollierbar an. Kickback findet nicht statt, was im Übrigen für
fast alle anderen Reifen gilt. Es kommt allenfalls zu gelegentlichem
Wegtrampeln in Schräglage (Chattering) aufgrund der etwas schwach
gedämpften Vorderradgabel, was der Avon aber gut dämpft.
Bridgestone Exedra
L303/G516 und G511/G516:
Wurden aufgrund des Seltenheitswertes nicht getestet.
Dunlop F17/K727
(Erstausrüstung):
Der immerhin 7 Jahre alte Vorderreifen überzeugte mit guten
Allroundeigenschaften. Leicht träges, aber sehr berechnendes Handling
ohne sonderliches Aufstellmoment, sehr sicherer Geradeauslauf. Der
Reifen scheint allerdings eine ziemlich geringe Eigendämpfung zu haben.
Die Gabel neigte beim heruasbeschleunigen zu leichten Lenkerbewegungen
und dazu vibrierte sie ein wenig. Die Grenzen des Vorder- und
Hinterrades werden zwar schon relativ früh erreicht, es reicht aber
durchaus für zügige Runden auf der Nordschleife. Fazit: Ein
unauffällig guter Reifen.
(Anmerkung von Patrick: Der Reifen kann bei Nässe relativ schnell
und ohne grosse Ankündigung den Grip verlieren, was auch einige andere
Fahrer des Reifens bestätigen)
Dunlop K701F/K 700 (zweite
serienmässige Freigabe):
Harmonieren absolut nicht mit der GPZ. Sie waren das unhandlichste Paar
im Test und machen aus der GPZ einen widerspenstigen Panzer. Hinzu kommt
ein deutliches Wegknicken der Reifenflanke bei Schräglage. Das Motorrad
fühlt sich an als ob es auf Plattfüssen schlingert. Überdies ist der
Grip ausgesprochen dürftig. Der Reifen ist also denkbar ungünstig für
die GPZ 900R und ist sogar gegenüber dem Dunlop F17/K727 um Klassen
schlechter.
Metzeler ME33/ME55A:
In der Dimension 120/80 VB16 / 130/80 VB18 überzeugen die Reifen voll
und ganz. Sehr gutes neutrales Handling. Sehr homogenes Lenkverhalten.
Hervorragender Geradeauslauf. Die 900R liegt damit bei jedem Tempo
ausgesprochen ruhig. Dazu kommt ein sehr guter Grip bei Nässe und
Trockenheit.
Metzeler ME33 CompK / ME1
CompK:
120/80 VB16 / 140/70 VB18. Das Verhalten dieser Kombination ist
praktisch identisch mit der ME33/ME55 Paarung. Lediglich der
Hinterreifen baut mit seinem ME1-Profil und der etwas breiteren
Aufstandsfläche minimal mehr Grip auf als der 130er ME55. Zumindest im
Neuzustand ist auch der Geradeauslauf sehr gut. Es ist allerdings
bekannt daß der ME1 mit zunehmendem Verschleiß etwas mehr von seinen
guten Fahreigenschaften einbüßt als der ME55.
Metzeler ME33/ME99 A2:
120/80 VB16 / 150/80 VB18. Sind zumindest in der CompK-Ausführung auf
der Serienfelge die Gummis die es zu schlagen gilt. Obwohl die sehr
schmale hintere Felge (3") für den knapp 150mm ausfallenden ME99
schmächtig ausfällt, verhält sich die Kawa mustergültig. Überhaupt
ist der vordere Laser-Reifen im Verein mit dem ME99-Profil hinten ein
derart gut eingespieltes Team, daß praktisch keinerlei Schwächen
auszumachen sind. Geradeauslauf und Kurvenstabilität tadellos, das
Handling kaum einen deut schlechter als mit den schmaleren Hinterreifen,
und der Grip sucht seinesgleichen - egal ob auf trockener oder nasser
Piste. Es ist deutlich zu merken das dieser Reifen für den Sporteinsatz
gebaut wurde.
Michelin A/M 59X:
Überzeugt bei gemächlichem Dahinrollen mit tadellosen Lenk- und
Handlingeigenschaften sowie sehr sicherem Geradeauslauf. Solcherart
eingeschläfert, machten sich die PS-Tester auf die ersten schnellen
Runden und wurden bös überrascht: Bei eher langsamer Fahrt durch die
Arembergkurve mit sanftem, entlasteten Zug am Hinterrad knickte
Testpilot Ralf Schneider unvermittelt das Vorderrad weg. Nur mit viel
Geschick und Glück vermied er einen Sturz. Der Vorderreifen baut bei
höherer Kurvengeschwindigkeit zu wenig Seitenführung auf.
Heissgefahren besteht stets die Gefahr des Untersteuerns. Das hohe
Gewicht und die Fahreigenschaften der GPZ macht die Sache noch
gefährlicher. Auch an der Hinterhand riß die Haftung mehrfach
unvermittelt und ohne Vorwarnung ab. Einen Grenzbereich im Wortsinn
kannte der Reifen nicht. Wer mehr als gemässigtes Tempo anschlägt,
schwebt in Sturzgefahr.
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